Sonntag, 17. Januar 2010

23. Januar 2010: Inventarisieren

Auch sie hat ein Blog: Maria Paz Levinson, Dichterin aus Buenos Aires, inventarisiert seit ein paar Monaten die Dinge, die sich in der Vitrine ihrer Großmutter angesammelt haben und stellt passende Texte dazu. Nun kommt sie in den Hinterzimmer-Salon und wird über das lyrische Bloggen sprechen, natürlich auch über Gedichte, über Dinge, über Schönheit, vielleicht auch über die Transferleistungen von Übersetzern, denn auch das Übersetzen von Bildern in Sprache, von Fotos in Gedichte muss von einem vorhandenen Inventar ausgehen. René und ich haben dafür zwei ihrer Gedichte nachübertragen, ganz ohne Lexikon, nur mit dem sprachlichen Material, das uns zur Verfügung steht. Hier die erste Kostprobe: erst Paz, dann ich, dann René.

Pongo un disco vinilo y escucho
la música regada por la lluvia de los años,
el disco cambió con el tiempo y eso es irreversible
lo lavo para sacarle el polvo
sigo con el trapo amarillo los surcos en redondo
va a salir música si sigo frotando.

Me pregunto, si yo cambié tanto,
si todavía alguien al oírme puede reconocer mi voz
como reconozco la canción que sale del viejo parlante.

ich lege eine platte auf und höre
renegaden-musik für den regen der jahre.
die zeit ist währung, umtausch unmöglich.
rillen waschen und von staub säubern,
immer im kreis mit dem goldenen arm,
so dass musik erklingt, wenn ich reibe.

bin auch ich eine andere geworden?
erkennt mich jemand an meiner stimme
so wie ich die musik am alten parlando?

Ich werfe eine Schallplatte und höre sie fallen

Die rigide Musik, die Elektrostatik der Jahre
die Schallplatte knistert, die Kratzer sind irreversibel
Wir streuen ein Pulver und drehen durch
Wir trinken Putzmittel aus Amarillo
Ich tanze mit der Flasche aus Amarillo und drehe mich

Und frage, während ich tanze, ob jemand
meine Stimme erkennt, wenn sie aufgenommen ist
sie wieder erkennt, wie ich diesen Gesang des Staubs

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